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Heute steht die große Rundfahrt an, die im Lonely Planet empfohlen wird - 30 Meilen rund um und durch die Stadt. Zuerst geht es wieder zum "Palace of the Legion of Honor", dem Kunstmuseum der Stadt. Es beruht auf einer privaten Stiftung und Geschenken, die Privatfamilien der Stadt überlassen. Also werden vor allem Privatsammlungen gezeigt - die haben es aber in sich: Der Welt zweitgrößte Sammlung von Rodin-Skulpturen, gleich nach dem Rodin-Museum in Paris, Rembrandt, El Greco, Rubens, Manet, Monet und ein Dali ! Die Tochter der Stifterfamilie stand dazu Modell - so ist ein beeindruckendes Bild entstanden.
Erst um 12:00 Uhr komme ich weiter zum Pazifik. Im Sutro Park, einem Anwesen des ehemaligen Mayors aus den 30iger Jahren halte ich Mittagspause mit weiter Sicht die Küste entlang in Richtung Süden. Der breite Strand grenzt an einen großzügigen Boulevard, der dank der Freeway 101 kaum noch Verkehr trägt. Daran schließen sich landeinwärts Wohngebiete und mehrere riesige Parks an. Auch der San Francisco Zoo liegt hier. Man kann mit der Straßenbahn vom Zentrum wieder bis hier her fahren.
Nagelneue Fahrzeuge von Breda bedienen die Linie. Sie fahren in der Innenstadt im Untergrund und überlassen den historischen Trolleys die Strecke zwischen Market Street und Fishermam's Wharf. Der Ausbau dieser neuen Bahn zur Stadtbahn wird an allen Ecken forciert. Dank des Einsturzes der ehemaligen Hochstraße entlang der Piers beim letzten Erdbeben, ist dort ein großzügiger Boulevard entstanden, der in der Mitte Stadtbahnschienen trägt !
Am Südende der Stadt umfahre ich den Lake Merced - einen Süßwassersee direkt hinter der Düne. Sein Wasserspiegel sinkt, da zu viele Bewässerungspumpen das Grundwasser anzapfen - allen voran riesige Golfplätze. Diese sind zwar in die ehemaligen Parks integriert und werten diese wieder auf, kosten aber viel Wasser.
Die Rückkehr zur Stadt über den Sunset Boulevard (bzw. die 37th Street) führt an hunderten gleich großer Reihenhäuser vorbei, von denen aber keines dem anderen gleicht. Die Variationen reichen vom mexikanischen Pueblo über einen Rechteckkasten bis zur Imitation einer Burg mit Rundtürmen. Das Faszinierende ist, dass alle Häuser aus extrem dünnen Holzbalken und Brettern gebaut sind. Putz und Steine sind nur Fassade. Dahinter modert es oft gewaltig - wie man an einigen Baustellen sieht. Dafür ist ein Haus mit ein paar Latten und Brettern aber auch schnell aufgestockt.
Der Golden Gate Park beeindruckt durch seine gepflegte Erscheinung und eine neu angelegte durchgehende Radroute. Zwar herrscht im hinteren Bereich der alte Wildwuchs mit trockenem Gras und Büschen unter den alten Bäumen. In einem Streifen längs der Radroute sind aber Grasstreifen und Blumen- bzw. Staudenbeete angelegt. Auch das kostet jetzt natürlich dauernde Bewässerung.
Das "Museum of Sciences" feiert gerade seinen 150. Geburtstag. Aus diesem Anlass entsteht gegenüber ein kolossaler Komplex aus Stahl, der bei halber Fläche doppelt so viel Platz bietet. Das Modell hatte ich gerade heute Morgen im Kunstmuseum bewundert.
Wieder in der Stadt führt die Route durch entlegene "In"-Viertel wie "Castro" und "Mission Dolores". Die Kapelle, in der zu Ehren des Heiligen Franziskus 1776 eine Missionsstation entstanden ist, steht heute noch - sozusagen die Keimzelle der Stadt.
Der Rückweg durch das kreativ chaotische "SoMa"-Viertel (South of Market Street) zeigt von der suspekten Autowerkstatt bis zur Software-Schmiede die ganze Bandbreite, wie kreative US-Bürger mit Ich-AGs ihren Lebensunterhalt verdienen. Beendet wird das Viertel durch das beeindruckend große Stadion der "San Francisco Giants". Vorher komme ich am Caltrain-Bahnhof vorbei, einer S-Bahn die bis San Jose fährt und dort Anschluss zum Rest der Welt hat. Leider sind viele Nahverkehrssysteme aber nur Insellösungen, die nicht vernetzt werden. Zum Amtrak-Zug muss ich Morgen mit dem Bus über die Bay Bridge, weil keine Fahrkarte mit S-Bahn-Anschluss in San Jose verkauft wird. Die Stadtbahn untertunnelt zwar den Bay, hat aber keine Haltestelle in der Nähe des Amtrak-Bahnhofs Emmeryville.
Auf dem weiteren Weg komme ich an einem wirklich billigen Supermarkt vorbei, der anscheinend Safeway noch um mehr als 50% schlägt. Ich leiste mir einen Country-Kuchen, um mein langes Defizit an Süßigkeiten zu beenden. Der 1,5 Pfund schwere Kuchen kostet gerade mal 2,50$ - das sind Aldi-Preise.
In der JH kann ich nach dem Abendessen noch die Wäsche waschen. Die JH in San Diego versuche ich telefonisch darauf vorzubereiten, dass ich erst nach 1:00 Uhr nachts dort eintreffen werde. Platz sei genug vorhanden - das beruhigt...
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