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Heute ist Zugreisetag. Das Gepäck muss neu sortiert werden: Was ich für die Safari brauche,
kommt in den Rucksack - die Fahrrad-Utensilien, die Küche und ein Teil der warmen Kleidung
bleibt am Fahrrad. Die Vorräte für die zweitägige Bahnreise
kommen in den kleinen Extrarucksack.
Das
dauert etwa eine Stunde. Nach dem Frühstück gebe ich mein Fahrrad mit den
Seitentaschen im Hostel ab. Für 5 Rand am Tag wird es im Gepäckraum aufbewahrt.
Das kostet für die Zeit meines Safariausflugs genau 100 Rand.
Als Verkehrsmittel zum Bahnhof werden nur Taxi oder Minibus genannt. Die "Golden Arrow" Busse, die regelmäßig durch Sea Point fahren kennt man nicht an der Hostel-Rezeption. So laufe ich wieder den Kilometer zum "MyCityBus" am Stadion. Der bringt mich für 5 Rand direkt zum Bahnhof. Dort wird mir am Schalter für Fernzüge bestätigt, dass der Zug nach Johannesburg heute pünktlich um 12:30 Uhr abfährt. Chekin (mit Namensliste) ist um 11:30 Uhr. Ich bleibe solange im von der Bahnhofshalle abgetrennten Wartebereich und kann von dort die Verladung von Pkws in zweistöckige geschlossene Wagen beobachten. Trotz der schmalen Kapspur sind die Wagen mindestens so breit wie die englischen.
Um 10:30 Uhr lässt man die ersten Fahrgäste in den Zug. Ich bin in Abteil 1G, d.h. Wagen 1, Abteil G. Den Sitzplatz dort kann ich mir selbst aussuchen. Bis zur Abfahrt kommen noch zwei weitere Fahrgäste hinzu, ein dritter in Mellville. Damit ist das Viererabteil voll belegt. Allerdings finden die beiden zuletzt Zugestiegenen Freunde in anderen Abteilen, so dass sie noch am Nachmittag umziehen. So bleibe ich mit einem pensionierten Ingenieur für Waffentechnik allein - ein rundlicher älterer Herr, der mir stolz von seinen Kindern erzählt. Der Sohn ist Ingenieur in Melbourne, Australien. Die Tochter ist verheiratet in Johannesburg. Zu ihr reist er heute, um die Enkel zu besuchen.
Seine Familie beweist, dass die "Coulored" durchaus in der Lage sind, in Südafrika eine erfolgreiche bürgerliche Existenz aufzubauen. Auch er verzieht nur das Gesicht, als wir durch die Townships von Kraaifontein fahren.
Was den Zug angeht, so ist er erstaunlich komfortabel ausgestattet. Es ist ein reiner Schlaf- und Liegewagenzug. Die Abteile können zu viert, zu zweit oder allein (halbes Abteil) belegt werden. In jedem Wagen gibt es zwei saubere Toiletten und eine Dusche. Seifenspender und Papierhandtuchspender sind aber leer. In der Mitte des Zuges gibt es zwei Speisewagen und eine große Küche mit Personalschlafräumen. Für 50 Rand kann man warm essen, für 35 Rand englisch frühstücken.
Allerdings ist der Fahrplan bald Makulatur. Schon in Bellville stehen wir 40 Minuten wegen einer Gleisbaustelle. Die Passhöhe nach Worcester überwinden wir zügig. Zwei kräftige Elektroloks ziehen den langen Zug problemlos über den Berg. Ab Worcester beginnt dann aber eine "Stop and Go"-Fahrt, weil die Signaltechnik ausgefallen ist. Bei jedem Signal wird gehalten, 10 Minuten mit der Streckenleitung telefoniert, bis es weiter geht. Wegen der vielen Überholstellen auf der eingleisigen Strecke passiert das fast dreißigmal ! Auf diese Weise fahren wir mehr als 4 Stunden Verspätung ein.
In der Nacht rast der Zug dann beängstigend schnell (geschätzte 120 km/h) - überraschend für die schale Spur. Wir zwei in Abteil G legen uns ins gemachte Bett und es gelingt mir tatsächlich, auch ein wenig zu schlafen. Ich hoffe nur, dass sich die Verspätung nicht noch weiter erhöht. Spätestens 12 Stunden nach der geplanten Ankunft muss ich in Johannesburg sein, um die Abfahrt des Safaribusses nicht zu verpassen...
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