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15. Tag: Cape Town (10 km)
Di, 17.01.2012


Zuerst also der Umzug: Nach einer sehr heißen Nacht stehe ich erst um 8:00 Uhr auf. Die Sonne steht schon sehr hoch - Sonenaufgang war schon um 5:30 Uhr - und die meisten Gäste sind schon ausgeflogen. Zum Frühstück gibtes wieder Melone mit Leberwurstbrot und Tee.

Um 10:00 Uhr ist alles wieder aufgeladen. Nach einer kurzen Abfahrt die High Level Road hinunter bin ich wieder im Ashanti in der Antrim Road. Ich kann mein Gepäck schon in den Raum 16 abladen, den selben wie vor 10 Tagen. Das Bett ist allerdings noch nicht gemacht.

Wieder ohne Gepäck starte ich mit leichtem Rad zuerst zur "Victoria and Albert Waterfront" zur Victoria Mall, um neue Zeit fürs Telefon zu kaufen. Diesmal zahle ich 275 Rand und erfahre, dass Inlandsgespräche 2 Rand/min und Auslandsgespräche 7 Rand/min kosten. Deswegen hat das letzte Guthaben nur für 15 Minuten gereicht.

Beim Hinweg bin ich direkt am großen Cape Town Stadium vorbeigefahren, das extra für die Fußballweltmeisterschaft 2010 für für 3 Milliarden Rand gebaut wurde und Platz für 65.000 Zuschauer bietet. Um 12 Uhr gibts eine Führung für 45 Rand, um das Gebäude und die Funktionsräume von innen bewundern zu können. Von der Präsidentenloge über die Sportlerduschen bis zu den Polizeizellen werden wir geführt. Höhepunkt ist der Zugang zum "heiligen" Rasen, der natürlich nicht betreten werden darf. Das Tribünendach ist eine freitragende Stahlringkonstruktion, die nur an den äußeren Rändern gestützt wird - bedeckt mit Spezialglas - ein Wunderwerk der Ingenieurskunst. Auch innen ist der Sichtbeton makellos, die Installationen übersichtlich und gut durchdacht.

Von hier starte ich zum "Company's Garden", dem idyllischen Sztadtpark von Cape Town. Am anderen Ausgang des Parks befindet sich die "South African National Art Gallery". Eine beeindruckende Auswahl aktueller Kunst wird gezeigt.: Werke eines ghanaischen Fotografen aus Accra, eines südafrikanischen Künstlers aus Simon Town, der als Hafenarbeiter angefangen hat, und russische Anti-Hitler-Plakate aus dem zweiten Weltkrieg. Deutsche erscheinen dort als verunstaltete hundeähnliche Monster.

Um die Ecke liegt das neue große jüdische Museum, das eine erschütternde, eintrittfreie Holocaust-Austellung zeigt. Für mich ist es die bisher beste Darstellung mit ehrlichen Details: Auch in Südafrika durften jüdische Auswanderer nicht anlanden, weil eine einflussreiche Organisation, die "Grey Shirts" den Antisemitismus Deutschlands unterstützte. Aus ihr ist später die nationale Bewegung entstanden, die schließlich die Apartheitsbewegung durchsetzte... Sehr gut ist auch die Auflistung weiterer von den Nazis verfolgter Menschen: Sinti und Roma, Zeugen Jehovas und Homosexulelle. Spannend ist auch die Geschichte der baltischen Länder, die prozentual einen weit höheren jüdischen Bevölkerungsanteil als Deutschland besaßen, und Polens aus diesem Blickwinkel zu sehen. Viele Originalquellen gibt es nur hier, weil sie als Fundstücke der Älteren überlebten, zum Teil von nach dem Krieg Ausgewanderten.

Die Rückkehr wird dann beinahe zur Katastrohe fürs Rad. Auf der Hauptstraße vom Museum gerate ich in die Richtung stadtauswärts. Über den Grünstreifen will ich auf die Gegenfahrbahn korrigieren. Dabei gerate ich in ein Feld von Stachelkletten, die sich zu hundert in die Reifen bohren. Sofort drehe ich das Rad auf Sattel und Lenker und operiere die aggressiven Samen einzeln aus den Reifen. Ein großer Teil ist in den dicken Stollen gelandet, einige aber gefährlich tief in der glatten Reifendecke. Ich hoffe, dass es keinen Platten gibt. Vorerst hält die Luft bis zurück ins Hostel.


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