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Früh um 6:00 Uhr ist wieder alles nassgeschwitzt. Die Schnaken haben mich aber heute Nacht nicht erwischt. Ich habe mich ganz in meinen Leinenschlafsack verkrochen. Zum Glück ist die Hostelangestellte bereit, den nassen Kram im Wäschetrockner wieder zu trocknen.
Kurz nach 8:00 Uhr bin ich auf der Piste. Der Hostelbetreiber hatte mich noch gewarnt, dass es ziemlich bergauf geht zum "Helshoogte Pass" auf 400 m. Das ist mir aber aus dem Radreiseführer "Südafrika per Rad" schon bekannt.
Auf der wenig befahrenen Ortsstraße erreiche ich wieder die R 301. Sie ist seit 2007 vierspurig ausgebaut mit mäßigen Steigungen, so dass ich nur selten schieben muss. Der Himmel schickt ein paar dunkle Wolken, ohne dass es regnet. So komme ich problemlos auf die Höhe.
Von dort geht es zunächst wieder rasant bergab - ins Tal des "Berg River". Deutsche Namen werden mir hier noch öfter begegnen. Das Mountain Bike macht trotz der Stollenräder die Geschwindigkeit gut mit. Durch Pniel - ein kleines Nest mit einfachen aber gepflegten Häusern - stoße ich auf die R 45, die Paarl mit Franschhoek verbindet. Sie steigt nun sanft aber stetig bis Franschhoek.
Umrahmt ist das Tal von einer fantastischen Bergkulisse, die an die Pyrenäen erinnert. Auf drei Seiten ist Frabnschhoek von Zweitausendern umgeben. Die Schienen der ehemaligen Bahnlinie Paarl - Franschhoek liegen noch, sind aber an den Straßenkreuzungen zuasphaltiert.
Der Ort zieht sich mit einer Vielzahl von Geschäften und Restaurants an der "Hugenotte Road" entlang. Fast nur Weiße machen hier Urlaub. Durch meinen Anruf gestern Abend bin ich in der "Otter's Bend Lodge" angemeldet. Sie liegt auf der anderen Seite des Baches mitten in einer Obstplantage. Offenbar sind die Feriengäste ein Nebenverdienst. Mir wird eine komplette Ferienwohnung im Obergeschoss zugewiesen für den Preis eines Betts im Dormitory. Von der Terrasse habe ich eine traumhafte Sicht aufs Tal und die Berge.
Nach Mittagessen und kurzer Ruhepause mache ich mich auf in die Stadt. Zunächst möchte ich bei der Winery "La Cabriere" nochmals eine Tour mitmachen - sie verkosten auch hauseigenen Sekt. Im Bereich der Weinkeller - wieder nur klimatisierte Wellblechhallen - gibts aber keinen Besucherempfang.
Auf dem Weg zum gegenüber liegenden Restaurant bleibe ich aber bweim hochinteressanten "Hugenotte Museum" hängen. Hier wird minutiös die Geschichte der 1634 ausgewanderten Glaubensflüchtlinge aus Frankreich aufgearbeitet. Soweit noch vorhanden sind die kompletten Namenslisten einsehbar. Manche Plakate sind überhaupt nur in französischer Sprache beschriftet.
Mir fiel aber schon auf der gestrigen Anfahrt auf, dass hier typisch pfälzische Namen vorkommen. Es gibt ein Weingut "Brendel". Das Museum liegt in der "Lambrecht Road", dieMueumsbedionstete berichtet von einer Künstlerfamile mit dem Namen "Schiffer". Die deutschen Auswanderer werden aber - leider - nicht näher untersucht.
Mal wieder sind es die Protestanten, die aus dem Nichts einen der reichsten Weinbauorte Südafrikas geschaffen haben. Auch ohne dauernde Polizeipräsenz herrscht hier ein hoher Grad an gefühlter Sicherheit - auch Frauen können hier allein mit dem Rad unterwegs sein...
Der Abendverkauf beim "Pick n Pay" beschert mit Fish and Chips für 2 Euro und eine mittelgroße "Fruit and Custard" Torte für 2.60 Euro sowie einen "fruchtigen" Rotwein aus Robertson für 2.60 Euro. Das ergibt ein Schlemmeressen in der Ferienwohnung des Hostels.
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