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9. Tag: Stellenbosch (10 km)
Mi, 11.01.2012


Heute ist Kulturtag. Nach einer fürchterlich heißen Nacht mit fünf Schnackenstichen stehe ich erst um 7:30 Uhr auf. Die Sonne steht schon hoch. Nach dem Frühstück (Toast mit Weihnachtsschokolade) schreibe ich noch den Tagebucheintrag von gestern. Gegen 10:00 Uhr breche ich auf.

Zuerst suche ich "Flandria Cycles" in der Bird Street - sie sollen nach meiner Recherche Fahrradtaschen haben. Es gibt nur noch zwei Restexemplare zu je 165 Euro !! Das kommt selbst dem Verkäufer zu teuer vor. Nächste Woche kommt wieder Nachschub...

Nun gehts zum "Doorp Museum" - einer Sammlung von alten Häusern mit zeittypischer Ausstattung - angefangen vom ältesten Haus eines deutschen (!) Auswanderers mit offenen Räumen bis zum Reetdach aber immerhin drei getrennten Zimmern (Esszimmer, Schlafzimmer, Küche) bis zum zweistöckigen viktorianischen Hauses eines reichen Kaufmanns mit großen Esszimmer im EG , Schlaf- und Kinderzimmern im OG. Die Anlage ist umgeben von typischen Gärten mit idyllischen, kühlen Winkeln trotz der einsetzenden Mittagshitze.

Den Mittag verbringe ich im "Sasol Art Museum"mit Bildern südafrikanischer Künstler - sowohl eingewandeter als auch einheimischer. Besonders beeindruckt mich eine Sammlung afrikanischer Trachten und Masken, die bei den Brautschauritualen der verschiedenen Volkstämme getragen wurden.

Nach kurzem Mittagessen im Hostel gehts zu "Die Bergkelder", einer Winery direkt hinter dem Bahnhof. Diese genossenschaftliche Einrichtung revolutionierte die südafrikanische Weinprodukltion in den 1970ern, indem sie die Reifung des Weines in kühle Weinkeller verlagerte, die in den angrenzenden Hügel gegraben wurden. Heute reift der Wein allerdings in klimatisierten Fabrikhallen. Die alten Keller dienen nur als Dekoration für eine excellente Weinprobe mit fünf typischen Sorten der hauseigenen Produktion "Fleur du Cap". Zuletzt kan man noch die größte südafrikanische Abfüllanlage besichtigen, die mehrere hundert Flaschen in der Stunde verarbeitet.

Zur Entspannung fahre ich hinaus in eines der von den Bergen umrahnmten Seitentäler, jenseits vom riesigen Komplex der Universität von Stellenbosch. Diese leitet übrigens erstmals ein farbiger Präsident mit dem Studiengebiet "Missiology". Er war vorher Theologieprofessor.

Auf einem ebenen Wiesengelände mit drei (!) Fußballfeldern kann ich mich in den Schatten der Bäume setzen und das sich vor mir ausbreitende Bergpanorama genießen. Das ganze Tal gehört inzwischen einem Winzer, der gerasde seine Arbeiter auf der Ladefläche eines LKWs zurück in die Stadt bringt.

Ich komme ins Gespräch mit einem älteren Herrn aus Südafrika, der Golfabschläge trainiert. Seine Vorfahren kaen vor 300 Jahren aus Berlin nach Stellenbosch. Er hat auf seiner Deutschlandtour aber nur Bamberg und Bremen besucht - wegen der Biersorten...

Die Rückfahrt führt durch gepflegte Wohnanlagen und Parks, in die die Universitätsgebäude eingebettet sind. Zum Abendessen genieße ich einen Rotwein aus dem Familienweinkeller "Van Loveren", der im "Lonely Planet" dafür gelobt wird, dass er die Angestellten zu Anteilseignern macht. Dennoch kostet der gehaltvolle Rotweinflasche beim "Checkers" nur 3 Euro.


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