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Kurzfristig vereinbare ich mit Regina Bailey, sie und ihre Familie gleich heute Mittag in Kommetjie zu besuchen. Der Samstag ist bei Familie Bailey schon komplett ausgebucht.
Zuerst kaufe ich aber eine ausreichende Menge Wasser und Saft. Beides gibts beim Woolworth Food Store im Sonderangebot, wenn man jeweils zwei Gebinde kauft, also 2 mal 5 Liter Wasser und 2 mal 1 Liter Saft und 2 mal Schinkenwurst. Das alles besorge ich zu Fuß, um das nagelneue Fahrrad nicht unbewacht vor dem Laden stehen lassen zu müssen.
Dann gehts mit dem Fahrrad zum Bahnhof der MetroRail. Unterwegs sage ich beim "Cycle Lab" Bescheid, dass sie sich nicht weiter um einen Gepäckträger für mich kümmern müssen. Auf dem Gehweg reiße ich mir beim Vorbeifahren an einem Schalt-Container die Haut am kleinen Finger der linken Hand auf. Das blutet heftig, trocknet aber bald ab.
Am Bahnhof löse ich die Internetbuchung für den Zug am 19.01. nach Johannesburg in eine
Fahrkarte ein. Dazu muss man geduldig anstehen, weil nur ein Schalter geöffnet hat.
Die Fahrkarte in der MetroRail nach Fish Hoek kostet für Hin- und Rückfahrt nur 19 Rand,
das Fahrrad jedoch zusätzlich zweimal 10 Rand. Dafür gibts aber eine einstündige Bahnfahrt zur Küste
der Kaphalbinsel an der False Bay. Leider verpasse ich den ersten Zug um 10:48 Uhr, weil
ich in den erst 11:20 fahrenden am anderen Bahnsteig einsteige.
Die Fahrt bietet grandiose Ausblicke auf die Rückseite des Tafelberg-Massivs, durchquert die dazugehörige Tiefebene. Die Unterwegsbahnhöfe besitzen noch immer ihren englischen Charme. Bei Muizenberg trifft die Strecke auf eine Riviera-ähnliche Steilküste mit mehreren Badestränden. Ab hier steigt Sicherheitspersonal zu. Auch eine Polizeistreife (4 Mann/Frau) durchquert den Zug. Tatsächlich sind kaum weiße Reisende im Zug. Eine 1.Klasse-Fahrkarte gibt es leider nicht mehr.
Ab Fish Hoek durchquere ich die Kaphalbinsel an ihrer flachsten Stelle mit dem Rad. Nur wenige Höhenmeter sind zu überwinden. Es geht vorbei an einem riesigen Township (30.000 Einwohner) und einer Neubausiedlung für Farbige (15.000 Enwohner). Schließlich lande ich im idyllischen Surfer-Städtchen Kommetjie, in dem fast nur Weiße leben - in entsprechenden Häusern. Die Sicherheitsmaßnahmen sind aber wesentlich weniger aufdringlich als in Cape Town.
Familie Bailey empfängt mich herzlich zum MittagsLunch. Duncan verzichtet sogar auf den geplanten Surf-Nachmittag. Zu Gast ist auch ein Austauschschüler aus Wiesloch, der morgen wieder abreist. Anschließend berichtet Duncan ausführlich über seine Erfahrungen mit der vielfach bereisten Garden Route. Vor allem die National Parks am Meer haben schöne Camp Grounds... Teilweise muss ich wohl auch auf der Hauptverkehrsstraße N 2 fahren. Dort gibt es zwar einen Seitenstreifen, der wird aber vielfach als zusätzliche Fahrspur genutzt.
Zum Abschluss des Besuchs lädt mich Familie Bailey noch ein zu einem wunderschönen Strandspaziergang zum Leuchtturm. Dabei kommen wir ins Politisieren über die Zukunft Südafrikas. Duncan befürchtet eine ähnliche Entwicklung wie in Simbabwe. Deshalb ist ein Motto: " Der Himmel ist blau, die Wellen sind genial zum Surfen, also gilt es, die Zeit zu genießen."
Zurück zum Bahnhof Fish Hoek bringt mich Regina mit dem Auto, weil sie dort auch
ihren Sohn abholt, der in Simons Town einen FerienJob angenommen hat. Er studiert
ansonsten Elektrotechnik in München.
Der zurückfahrende Zug ist fast leer. Ich bleibe aber unbehelligt. An einer Zwischenstation
lege ich die Hand ins offene Fenster. Beim Losfahren des Zuges schlägt ein Junge
mutwillig mit dem Stock auf die Finger - verwahrloste Kinder in Südafrika... Ich kühle
den Bluterguss mit Speichel, damit die Finger weniger anschwellen. Zum Glück sind
die Gelenke nicht betroffen. Ich muss mehr aufpassen - die Gefahr geht wohl auch hier vor
allem von den Jugendlichen aus.
Ohne weitere Zwischenfälle kehre ich wieder ins Hostel zurück und entspanne erstmal auf der Strandliege am hauseigenen Pool. Dann gibts Abendessen und Zeit zum Tagebuchschreiben.
Gestern Nacht hat mich ein unbekanntes Insekt in den rechten Arm gestochen. Wegen des brennenden Schmerzes habe ich sofort die antibakterielle Salbe auf die ansonsten unsichtbare Stelle aufgetragen. Heute Morgen war der Arm leicht verdickt und erhitzt - insgesamt ein Gefühl wie nach der Impfung im Tropeninstitut. Bis heute Abend hat sich die Situation aber weitgehend normalisiert. Ich muss also schon hier in der Stadt Insektenschutz betreiben, obwohl offiziell in Cape Town keine Gefährdung vorliegt. Afrika ist eben eine andere Welt, selbst hier im europäisch anmutenden Cape Town.
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