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2. Tag: Karlsruhe - Kehl
Fr, 21.03.1997


Das Frühstück in der JH Karlsruhe ist eine Wucht. Soviel Du essen kannst von einen reichhaltigen Frühstücksbuffet, das eines Hotels würdig ist. So kann ich mich stärken für die nächste Etappe.

Ziel ist die Europa-Jugendherberge in Kehl. Von dort könnte ich noch einen kurzen Abstecher nach Straßburg unternehmen.

Zuerst nach Rastatt. Ich suche die offizielle Radwegebeschilderung in der Innenstadt. Sie führt zum Bahnhof, entlang der Gleise. Schließlich verliert sich die Beschilderung, ich suche auf eigene Faust. Es geht über den Rangierbahnhof, dann nach links oder rechts ? Prompt erwische ich die falsche Richtung. Nach wenigen hundert Metern erkenne ich den Irrtum, fluche leise und trete kräftig in die Pedale um wieder zurück und in die andere Richtung zu fahren. Irgendwann finde ich auch den offiziellen Radweg nach Rastatt wieder. Er führt quer durch einen in dieser Jahreszeit einsamen Wald, vorbei an einer winterlich eingemotteten Waldfreilichtbühne , schließlich entlang der Bahn zum HBF Rastatt. Dort raste ich erstmals.

In der Innenstadt führt mich der Weg zum Schloß. Eine historische Ausstellung zu den badisch-pfälzischen Befreiungskämpfen erweckt mein Interesse. So kann ich Teile des Schloses von innen sehen und auf die Suche nach Paul-von-Denis, den Namenspatron unseres Gymnasiums gehen. Tatsächlich wird er in einem Dokument namentlich erwähnt.

Die Vorratsbeschaffung für den Tag gelingt in Rastatt gut. Im Park lockt die durchschimmernde Sonne zu einem Mittagspicknick auf einer idyllisch umrahmten Bank mit Schlossblick. So könnte es weiter gehen.

Die Zeit vergeht schneller als mir lieb ist. Ich suche die Radroute weiter nach Kehl, zunächst entlang der Bundesstraße aber auf eigenem Radweg, dann über alte Nebenstraßen über Iffezheim zum Rhein.

Der letzte Abschnitt ist eine Militärstraße entlang des Rheindamms. Um diese zu finden, fahre ich ab Iffezheim auf der Dammkrone des Rheinhauptdammes. Dies wird jedoch zunehmend unwegsamer. Mit großem Gepäck keine einfache Fahrt. Schließlich verzweigen sich die Wege an einem großen Pumpwerk. Beschilderungen fehlen. Mit Intuition wähle ich den Weg zum Rhein. In verschlungenen Schleifen nähert er sich dem hier kanalisierten Rhein. Schließlich mündet er in die asphaltierte Straße parallel zum Kanaldeich ein. Diese führt durchgehend bis zum Hafen in Kehl.

Die Beschilderung zur JH in Kehl ist zunächst irreführend aus der Innenstadt heraus. In großem Bogen umrundet man Sportanlagen und Schrebergartenkolonien, bis die Jugendherberge in unmittelbarer Nähe des Rheinufers erscheint. Der Radweg von dort zur Stadt wäre gerade 5 Minuten gewesen.

Ich bin schon so spät, dass die Küche geschlossen hat. Dennoch kann ich noch ein warmes Abendessen aus den Resten der letzten Gäste bekommen.

Danach ist es schon fast dunkel, also werde ich doch nicht mehr nach Straßburg rüberfahren. Die Innenstadt von Kehl ist nachts eher ausgestorben. Ich durchfahre zweimal die Fußgängerzone und finde dann früh ins Zimmer.

Zwei ebenfalls im Zimmer untergebrachte Radtouristen fragen mich nach Herkunft und Ziel. Meine Aussage, dass ich bis Sardinien wolle, löst eher skeptische Verwunderung aus. Wir tauschen Erfahrungen über bereits durchgeführte Radtouren aus. Dies ist der große Vorteil von Mehrbetträumen in den JHs, das es fast immer zu interessanten Gesprächen über Reisen und Länder kommt.


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