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8. Tag: Banyalbufar - Deia (30 km)
Do, 10.09.2015


Zwei physische Zeichen zeigen heute, dass meine körperliche Belastungsgrenze überschritten ist:
Zunächst aber die Entwicklung im Hotel Baronia: Der Juniorchef "Miguel" akzeptiert die nächtliche Störung in meinem Zimmer durch die Motoren der Kühlaggregate der Küche - sie befinden sich auf dem Dach über meinem Zimmer ! Er ist bereit den Zimmerpreis auf 50 Euro zu reduzieren und schenkt mir zwei Ohrstöpsel. Im Vertrauen, sie seien anatomisch angepasst, schiebe ich sie in die Ohren und schlafe so bis morgens um 8:00 Uhr. Als ich sie morgens entnehme, bin ich taub !!! Auf dem rechten Ohr höre ich gar nichts mehr, auf dem linken nur wenig. Auch schütteln und drücken der Ohren hilft nicht. Mein Entsetzen ist groß – ist etwa das Trommelfell beschädigt ? Beim Frühstück höre ich nur noch indifferentes Gemurmel. Gespräche an den Nachbartischen kann ich nicht mehr wahrnehmen.

Beim Schlucken und Aufstoßen verändert der Druck im Innenohr dann doch die Hörfähigkeit wieder. Nach und nach stellt sich das wohl überdehnte Trommelfell wieder auf den Normalzustand ein. Bis zum Start auf der Straße ist alles fast wieder in Ordnung. Das Hören ersetzt ja die fehlenden Augen nach hinten.

Der Himmel ist bedeckt - es tröpfelt ein wenig. Beim Aufstieg auf 500 m ist das eher angenehm. Weil der Regen etwas abkühlt. Kurz vor Valdemossa beginnt es dann aber zunehmend heftiger zu regnen. Ich rette mich auf den überdachten Gang der Gemeindeverwaltung. Inzwischen donnert und blitzt es - ein ausgewachsenes Gewitter. Ohne Rad aber geschützt mit dem Anorak schlendere ich durch die regennasse Stadt: viel Touristentrubel im Weltkulturerbe, in dem Friedrich Liszt einige Jahre gelebt hat.
Allmählich (nach zwei Stunden) lässt der Regen nach. Ich traue mich auf die letzten 12 Kilometer nach Denia. Dort hatte ich angerufen und ein Zimmer im Hostal Villaverde gebucht. Leider verstärkt sich der Regen dann aber zunehmend - begleitet von stürmischem Wind. Es wird kalt.

Plötzlich merke ich, wie mein Kreislauf in die Knie geht. Ich fahre gerade bremsend bergab. Schnelles Anhalten rettet die Situation ohne Sturz. Tiefes Durchatmen bringt die Sauerstoffzufuhr wieder in Schwung. Ich muss nun doch das Regencape nutzen - es wärmt den Körper auch ein wenig.

Kaum auf dem Rad, spielt die Gangschalung verrückt. Der Umlegehebel hinten blockiert, dann springt die Kette vom Pedalkranz. Ich rette mich unter das Vordach eines Apparthotels, um alles wieder zu richten. Auch die Plane zum Abdichten des Gepäcks hinten wird jetzt eingesetzt.

Langsam - sehr langsam - geht’s nun steil bergab - maximal 10% und das bei strömendem Regen. Die Bremsen halten das Rad - es darf nur nie zu schnell werden. In Denia suche ich lange nach dem Hostal. Es liegt oberhalb der Straße im alten Dorfkern. Wieder bekomme ich ein überteuertes Doppelzimmer (71 Euro), weil alles andere ausgebucht ist.

In dem einfach eingerichteten Raum des historischen Gebäudes drappiere ich die nassen Objekte auf Bügeln und an Haken zum Trocknen. Dabei hilft der stürmische Wind, nachdem der Regen aufgehört hat.

Im Abendlicht schlendere ich über den Dorfberg hinauf zur Kirche und dem Bergfriedhof mit Blick bis hinunter zum Meer. Auf dem Rückweg komme ich an dem gegenüber liegenden Luxus-Ressort-Hotel vorbei: In mehreren historischen Gebäuden sind Zimmer eingerichtet für betuchte Gäste. Einige sitzen gerade beim Abendessen - das Menue kostet 117 Euro. Mallorca ist wohl doch ein sehr teures Reiseland, wenn man nicht als Pauschaltourist anreist !


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