[ vorhergehender Tag] [Übersicht] [nachfolgender Tag]
Heute ist die berühmte Bahnfahrt mit dem historischen Elektrozug nach Soller geplant. Früh um 8:30 Uhr bin ich im Informationsbüro in Palma, um Hinweise auf Überachtungsmöglichkeiten entlang der Westlüste zu erhalten. Die Antworten sind wenig hilfreich. Sie streichen lediglich die Orte auf der Karte, in denen es wahrscheinlich keine preiswerten Hostals gibt. Adressen können sie nicht liefern - ich solle im Internet nachsehen ! Wenigstens erhalte ich eine Kopie mit den Adressen von zwei Internetcafes in Palma.
Am Bahnhof an der Placa Espana bin ich eine Stunde zu früh. Ein erster Zug startet leer. Unser Zug startet um 10:10 Uhr am Behelfsbahnsteig auf Gleis 2. Er ist gut besetzt, hat aber noch einzelne freie Plätze. Am Fenster auf der linken Seite kann ich michhinauslehnen und fotografieren. Schon an der ersten Zwischenstation gibt es eine fast einstündige Zwangspause. Ein Zug vor uns sei defekt und muss erst abgeschleppt werden.
Die Passfahrt ist eindrucksvoll. Wir nähern uns den Bergen der Tramuntana in einem Seitental, das sich zur Ebene hinab öffnet. Unversehens verschwindet der Zug in einem 5 km langen Tunnel. Alle Fenster bleiben offen - die frische Tunnelluft bringt Abkühlung. Auf der anderen Seite müssen fast 300 Höhenmeter bis hinunter nach Soller wieder abgebaut werden. Das gelingt mit Hilfe eines 180 Grad-Wendetunnels und zwei langen Gefällestrecken oberhalb von Soller. Der Bahnhof liegt idyllisch in einem dichten Platanenhain. Nur die Oberleitung ist frei geschnitten.
Direkt am Bahnhof oberhalb der Altstadt startet die historische Tram bis zum 3 km entfernten Hafen von Soller. Alte Zweiachser ziehen museale offene Anhänger mit zuletzt erstaunlicher Steigung auf dem letzten Stück zum höher liegenden Bahnhof. Die Spurweite (1 Meter) und die Oberleitungsspannung sind mit der Sollerbahn identisch. Beide Systeme sind mit einer Weiche hinter dem Lokschuppen verbunden. Die Wartung der Straßenbahnfahrzeuge und der Schmalspurbahn erfolgt in der gleichen Werkstatt.
Ich schlendere durch die Stadt, verpasse dabei leider das (kostenlose) Miro- und Picasso-Museum im Erdgeschoss des Bahnhofs. Im Hostal Nadal buche ich ein Einzelzimmer (nur 23 Euro) für die nächste Woche. Bis dahin will ich mit dem Fahrrad die Küstenstraße bezwungen haben. Ab Sonntag ist das Haus schon ausgebucht. Die Nachfrage beim Bahnhofshotel ergibt 55 Euro pro Nacht fürs Einzelzimmer !
Soller ist umringt von einer beeindruckenden Bergkulisse. Die Häuser ducken sich in den zum Meer hin offenen Kessel - mit idyllischen Gärten. Her herrscht Ruhe - sehr zum Unterschied zum hektischen Palma.
Die Rückfahrt gestaltet sich zunächst unerwartet schwierig. Mehrere Reisegruppen haben Sonderzüge gebucht. Solange bleibt der Bahnhof geschlossen. Die Züge starten im Halbstundentakt. Um den heutigen Ansturm zu bewältigen, sind dann zwei weitere Züge nach Palma geplant, um 18:00 Uhr und um 18:30 Uhr. Als schließlich der Zugang geöffnet wird, strömt die wartende Menge auf den schmalen Bahnsteig. Der fast leere Zug aus Palma wird schon bei der Einfahrt gestürmt. Zuletzt gibt es nur noch Stehplätze im Wagengang oder auf der offenen Einstiegsplattform.
Ich warte auf den planmäßigen 18:30-Uhr-Zug. Der ist dann nur halb besetzt mit viel Platz auf allen Sitzen. Mit bewundernswerter Zugkraft zieht der Triebwagen von 1929 auch heute noch seine sechs Vierachser den Anstieg von Soller zum Tunnel hoch. Auf der Flachstrecke in der Ebene von Palma sind auch keine höheren Geschwindigkeiten möglich, da noch zahlreiche Schienenstöße hörbar sind und die Stationen mit Rückfallweichen für Zugbegegnungen ausgestattet sind. Mit nur viertelstündiger Verspätung landet der Zug in Palma.
Vom Bahnhof gehe ich sofort zum Internet-Cafe in der Nähe. Die Einrichtung befindet sich in einem schmalen Gang mit zahlreichen Zellen für Ferngespräche in Nicht-EU-Länder und 6 Rechnern. Das Internet kostet 1 Euro pro Stunde. Leider weigert sich GMX über diesen Server sein Programm zu öffnen. Die Hostal-Seite von Mallorca ist belämmernd kurz und ungenau - viel Text aber keine Adressen. Über booking.com werden nur noch Mondpreise für den Monat September vorgeschlagen. Selbst das Hostal Pons kostet jetzt 65 Euro statt 35 Euro ! Wenigstens das Wetterprogramm funktioniert: Es bleibt die Woche über bewölkt, regnet aber nur mit 20% Wahrscheinlichkeit.
Im Hostal kann ich die Reste des Hühnchens vom Samstag in der Mikrowelle des Hauses auftauen - sie waren im hauseigenen Gefrierschrank aufbewahrt. Dann startet eine unruhige Nacht. Zu ungewiss ist der morgige Start zur ersten Etappe mit dem Rad.
|
|
|
|
|
[ vorhergehender Tag] [Übersicht] [nachfolgender Tag]