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12. Tag: Jablanac (0 km)
Di, 06.04.2015


Beim Aufwachen zweifle ich, ob ich nicht doch heute schon weiterfahren soll. Der Schritt auf den Balkon belehrt mich eines Besseren. Bora stürmt immer noch eiskalt vom Gebirge herunnter, chneeflocken rasenhorizontal durchdie Büsche, auf dem Meer stieben weiterhin die Gischtwolken hinüber zur Insel Rab.

Also begebe ich mich nach demFrühstück zu den Gastgebern, um sie zu bitten, eine verlässliche Auskunft über Busfahrten von Jablanac nach Rijeka zu ermitteln. Frau "Hajdi" geht sofort an Ihr Mobile Phone und erzählt irgend jemandem am anderen Ende meine ganze Geschichte. Schließlich fragt sie nach, ob diejenige mir die Auskunft auch in Englisch geben kann. Die junge Frau weiß genauso viel oder wenig wie ich: Busse fahren normalerweise häufig auf der Küstenstraße. Ob sie heute oder morgen fahren, sei aber nicht sicher, ebenso, ob sie ein Fahrrad im Gepäck mitnehmen. Ich solle doch an der Bushaltestelle (der Tankstelle) nachfragen.

Nach dieser wenig ergiebigen Auskunft werde ich von der Familie zum "Osterfrühstück" eingeladen: Eiersalat, gekochte Ostereier, Schinken im Pstetenteig, Brot und ein Kräutertee mit Zucker und Zitrone.

Ich breche danach zu Fuß auf, um die 3 km lange Straße zur Tankstelle zurück zu laufen. Vereinzelt blasen mir immer noch heftige Böen entgegen, die meine Schritte verlangsamen. Wenigstens kann jetzt das Fahrrad nicht weggeblasen werden.

Bei der Tankstelle frage ich - wie gestern - nach den Bussen. Sie würden jeden Tag (!) fahren, ab 10:00 Uhr, dann alle ein oder zwei Stundden. Genauere Auskunft gibts auch hier nicht.

Ich beschließe, die Wanderung fortzusetzen: 3 km auf der N 8 in Richtung Rijeka, dann über die stillgelegte alte Straße unterhalb zurück. Diese kommt direkt bei meinem Appartment heraus. Heute habe ich Zeit und Muße, die Details des Straßenbaus, der Dämme und Schluchten und natürlich der großartigen Meerblicke zu genießen und zu fotografieren. Auffallend viele vollbepackte Urlauberautos aus D, A und I fahren nach Norden. Offenbar ist es ihnen zu kalt.

Der idyllische Rückweg über die nur grob geschotterte Straße von 1877 gibt mir Gelegenheit, eine Fotoserie der ersten Frühlingsblumen zu erstellen. Die alten Stützmauern sind in weiten Teilen noch erstaunlich gut erhalten, obwohl seit nun fast 60 Jahren nicht mehr gewartet werden.

Wie der Bora begonnen hat, so endet er plötzlich. Die Eiswolken ziehen sich über die Berge zurück. Es weht ein laues Frühlingslüftchen. Das lässt für die Weiterfahrt morgen Gutes erhoffen.


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