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11. Tag: Karlobag - Jablanac (Segote)
Mo, 05.04.2015


Bora ! Das ist der Sturm von den Bergen, der alles Bewegliche hinweg fegt. Er rast mit Geschwindigkeiten bis 150 km/h hinab ins Meer, erzeugt dort Gischtwolken, die sich nicht auflösen sondern periodisch gestaffelt die gegenüber liegende Insel treffen.

Die N 8 ab Karlobag ist offenbar für alle Fahrzeuge gesperrt - die Ausnahmen auf kroatisch verstehe ich nicht. Touristenautos fahren munter weiter. Ich traue mich auf die Piste. Ein Polizeiauto hält kurz an, fährt dann aber weiter, ohne mich von der Weiterfahrt abzuhalten.

Das Regencape gegen den leichten Nieselregen erweist sich als völlig ungeeignet. Es bläht sich auf wie ein Windsack. Im Extremfall stülpt s sich umgedreht über den Kopf, so dass ich total die Sicht verliere. Ich wähle den Anorak, binde die Kapuze so fest es geht ums Kinn - so entfällt wenigstens der Segeleffekt.

Der Wind kommt aus Nordost - meist also direkt von der Seite, wenn da nicht die Windungen der Straße wären ! Fahre ich in südwestlicher Richtung, dann ergibt sich ein starker Rückenwind, fahre ich in nördlicher Richtung ergibt sich ein entsprechender Gegenwind von vorne. Ich muss lernen, damit umzugehen. Steht das Fahrrad nur wenig quer zum Gegenwind, dann bläst der Wind es fast unaufhaltbar um. Genau gegen denn Wind ist Schieben die einzig mögliche Fortbewegungsart. Manchmal sind die Böen so stark, dass ich samt Fahrrad einen Schritt zurückgedrückt werde. Ich gewöhne mir an, bei solchen Böen auf dem Lenker liegend auszuharren, bis wieder zwei Schritte nach vorne möglich sind, bis zur nächsten Frontalböe.

Im Windschatten einer Straßenmauer lässt es sich fast ungehindert radeln. Das macht Mut, trotz allem weiter zu fahren, bis zum nächsten Taleinschnitt. Wie im Windkanal sammelt sich die Wucht von der Seite - das Rad droht zu kippen. Das ist durch schnelle Gewichtsverlagerung beim Fahren leichter zu meistern als beim Schieben - dabei würde ich samt Rad umgedrückt.

Ich bemühe mich, wenigstens nur die gesamte rechte Spur der Straße zu nutzen. Nur in wenigen Ausnahmefällen drückt mich die Seitenböe dann doch weiter - links geht’s dann meist ungeschützt die Böschung hinunter - Die wenigen Autofahrer fahren sehr langsam und überholen verständnisvoll ganz auf de linken Spur.


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