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Unruhig werde ich schon um 6:00 Uhr wach. Früher als sonst stehe ich auf und beginne mit dem Morgengeschäft. Um 8:30 geht's bereits los - zunächst auf der viel befahrenen Route durch das San Geronimo Valley. Der empfohlene Umweg über Woodacre bringt nur schlechte Straßen und viele unnötige Steigungen. Ab San Anselmo allerdings ist die Pacific Bike Route gut beschildert und führt durch Wohnstraßen mit wunderschönen Villen parallel zur Durchgangsstraße. Die Ortstdurchfahrten und die Geschäfte zeugen vom erhöhten Wohlstand der Bewohner.
Nach der Einmündung in die 101 leitet mich meim Loneley Planet Führer über abenteuerliche Bergstraßen und versteckte Radwege schließlich wieder auf die Trasse der stillgelegten Schmalspurbahn bis nach Sausolito. Dort stolpere ich zufällig über das "Bay Model" eine hallenfüllende Modellierung der San Francisco Bay aus den 50iger Jahren zum Studium der hydrodynamischen Verhältnisse. Die Vielfalt der Zuflüsse und Kanäle und vor allem die Wirkung von Ebbe und Flut (alle 17 Minuten) werden so realistisch wie möglich nachgebildet - ursprünglich zu militärischen, dann zu wissenschaftlichen, heute zu edukativen Zwecken. Ich begreife zum ersten Mal anschaulich die Notwendigkeit der Hängebrückenkonstruktion an der Golden Gate. Die beiden Pfeiler stehen jeweils am Rand einer tiefen Schlucht unter der Wasseroberfläche. Diese erlaubt den schnellen Austausch des Wassers bei den Gezeitenströmungen.
Nach der Mittagspause vor dem Museum drängt es mich weiter - zuerst über die mondäne Uferstraße von Sausolito, dann den Anstieg hinauf zur Golden Gate Bridge. Die Ostseite ist für Rad- und Fußgängerverkehr offen. Viele Tagesausflügler kommen mir entgegen. Das Wetter ist unfreundlich kalt und neblig - es herrscht starker Gegenwind. Dennoch ist es ein erhebendes Gefühl, nun wirklich mit dem Fahrrad über die Brücke nach San Francisco zu fahren. Vom Südkopf führt eine gut beschilderte Bike Route in die Stadt. Gleich am Eingang finde ich das Schild zum Hostel "Fort Mason", direkt oberhalb Fisherman's Warf. Ich ergattere das letzte Bett (um 14:30 Uhr) in einem Schlafsaal mit 24 (!) Betten. Für die nächsten beiden Tage kann ich jedoch in ein Achtbett-Zimmer wechseln.
Sofort nach dem Abladen starte ich wieder in die Stadt - zum Amtrak Bureau am Ferry Building. Dieses befindet sich jedoch nicht im mondänen Empfangsgebäude sondern daneben in einem kleinen ehemaligen Bahnhof. Heute hält hier nur noch der Amtrak Bus. Für 84 $ bekomme ich - wie gewünscht - eine Fahrkarte nach San Diego: mit dem Bus nach Oakland - mit dem Superliner nach Los Angeles und weiter mit dem Regionalzug nach San Diego. Die Reise dauert von morgens 7:00 Uhr bis nachts 0: 50 Uhr...
Auf dem Rückweg sehe ich, dass heute abend im Golden Gate Theatre "Chicago" läuft. Trotz 43$ kann ich nicht widerstehen, das Musical nochmals life zu sehen, nach der spanischen Version in Buenos Aires und dem Film beim Herflug mit Delta Airlines.
Die Van Nees Street bringt mich schnell wieder zur JH. Unterwegs finde ich wieder den preiswerten Modellbahnhändler, bei dem ich schon vor 5 Jahren eingekauft habe. Amerikanische Güterzugwagen kosten auch jetzt wieder nur 2 $ das Stück - ich nehme zehn mit...
In der JH schnell Duschen und Umziehen - dann wieder zurück zum Theater - mit dem Rad. Dort ist mir allerdings um mein Fahrrad etwas bang: Ich stelle es schließlich zu einem bewachten Parkplatz "Event Parking". Pkw kosten 15 $ - ich muss immerhin noch 5 $ zahlen.
Die Aufführung ist identisch inszeniert wie in Buenos Aires: die Orchestertribüne steht auf der Bühne, um die herum sich alles abspielt. Anscheinend ist die erste Broadway Produktion aus New York komplett übernommen worden - mit allen Darstellern. Es wird eine wunderschöne - amerikanisch perfekte - Aufführung mit vielen witzigen Dialogen dazwischen und guter Personenregie. Die beiden Hauptdarstellerinnen sind hervorragend. Ich weiß jetzt, warum Renee Zellwegger für die Rolle der Roxy Heart gewählt wurde - Shirley Mc Lane war leider zu alt für die Rolle. Den Rechtsanwalt spielt einer der Backstreet Boys. Hatte ich nicht einen anderen im "Joseph" in Liverpool gesehen ?
Die Rückfahrt durch die verlassenen Straßen gleicht einer Art Vorhölle mit einer Vielzahl Obdachloser, die sich zur Nacht einrichten. Ich bin froh, nicht zu Fuß unterwegs zu sein...
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