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Ich schlafe schlecht. Auf der dünnen Matratze zu liegen, ist doch nicht so angenehm. Morgens wir es kühl, so dass ich wieder den Schlafsack nutzen muss. Um 7:00 Uhr stehe ich auf. Die Sonne steht so tief, dass noch kein Strahl durch die dichten Bäume dringt. Das Zelt ist aber trocken. Um 9:30 Uhr ist alles gesattelt. Auf das Frühstück verzichte ich wieder. Der Magen rumort etwas.
Die Tour auf dem Jackson Highway läuft angenehm abwärts, bis sie auf den stärker befahrenen Hwy 505 trifft. In Toledo kann ich diesen jedoch wieder verlassen. Der Radführer begleitet mich auf einsamen Straßen (Mandy Road) am Ufer des Cowlitz River. Ohne genaueste Angaben - inclusive Abbiegerichtung - wären diese Straßen nicht zu finden. Über den alten Pacific Highway, der zwar noch breit aber wegen des parallel verlaufenden Freeway No 5 fast verkehrsfrei ist, komme ich nach Castle Rock, dem Schauplatz von Stephen Kings "Needfull Things". Auf den Stufen eines Pfarrzentrums hole ich mein Frühstück nach. Gegen 11:00 Uhr starte ich zur Etappe auf der 411 nach Longview.
Die Straße ist zwar gut ausgebaut - leider überholen mich die berüchtigten Holzlaster aber sehr zahlreich. Nur einer zwingt mich aber auf den Seitenstreifen , die anderen überholen mit großzügigem Abstand.
Nach dem Einkauf im Supermarkt in Longview (leider kein Safeway) begebe ich mich wieder zur Mittagspause im Stadtpark am künstlichen See mit Picknick, Tagebuch schreiben und Mittagsschlaf.
Um 15:00 Uhr starte ich zur letzten Etappe heute. Die Rundfahrt durch Longview offenbart einen sehr schönen Stadtkern mit vielen Bäumen, schattigen Alleen und historischen Gebäuden aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts.
Der Hwy 4, dem ich jetzt folgen soll, ist zuerst eine verkehrsreiche vierspurige Ausfallstraße. Radfahrer sollen auf dem Bürgersteig fahren ! Das kann ich mir mit dem vielen Gepäck nicht leisten angesichts der zahlreichen kantigen Auf- und Abfahrten. Ich bleibe auf der rechten Fahrbahn. Prompt hält mich ein Motorradfahrer an, der sich zum selbst ernannten Polizisten aufspielt und dabei den gesamten Verkehr auf der rechten Spur blockiert. Ich warte auf dem Bürgersteig, bis er außer Sichtweite ist. Kaum 10 Minuten später erwischt mich dann eine Polizeistreife, die mich nochmals ermahnt, auf dem "sidewalk" zu fahren.
Zum Glück ist diese "Bike Route" bald zu Ende und ich kann unbehelligt auf der rechten Spur weiter fahren. Eng wird es nur, wen ein vorbeifahrendes Fahrzeug genau in meiner Höhe nochmals überholt wird - aber das kenne ich ja schon von Südspanien...
Im Folgenden schlängelt sich die Straße am Nordufer des breiten Columbia River entlang. Er bildet die Grenze zu Oregon und ist bis Portland für Überseeschiffe befahrbar. Ein großer chinesischer Containerfrachter schippert gemächlich den Fluss hinauf, der in seiner Breite an die untere Donau erinnert.
Im County Lane Park finde ich einen "ordentlichen" Campingplatz wie immer mit Self Registration, d.h. ich suche mir einen Stellplatz, schreibe dessen Nummer, meine Adresse und die Zahl der Nächte auf ein bereitstehendes Couvert, lege dort meine 5 $ ein und werfe das in einen gut gesicherten Stahlbriefkasten.
Der Platz liegt direkt am Ufer des Flusses. Von meinem Zelt aus sehe ich im Süden die sanft geschwungenen Berge von Oregon. Im Osten erhebt sich der graue Mount St. Helens, der 1980 mit seiner heftigen Explosion die Region in Atem gehalten hat.
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