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4. Tag: Seattle - Twanoh State Park
Sa, 26.07.2003


Heute breche ich also zur Großen Radtour auf. Nach dem Frühstück versuche ich, das gesamte Gepäck auf dem Hinterrad-Gepäckträger zu verstauen, erst die großen Seitentaschen, dann den Trekking-Rucksack, darauf das Zelt - es ist viel zu viel ! Ich vermisse den vorderen Gepäckträger.
Um 10:20 bringt mich die Fähre über den Sund nach Bremerton. Ein Amerikaner, der auch 1952 geboren ist, erinnert sich, wie er vor 25 Jahren jeden Tag mit dieser Fähre nach Seattle gefahren ist. Wir kommen ins Gespräch: sein Bruder fange mit 50 eine neue Familie an... Ich bin froh, selbst erwachsene Kinder zu haben, und Weltreisen wie diese machen zu können. Er freut sich, dass ich mit 50 noch eine solche Herausforderung annehme. Seine besten Wünsche begleiten mich.

Aus dem Hafen in Bremerton findet man nur durch Intuition oder durch Befragen den Anwohner den richtigen Weg nach Westen. Nach steilem Anstieg - parallel zur Ausfallstraße führt die 4th Street als Bike Route - kommt man auf die stark befahrene Uferstraße noch Gorst - Belfair. Hier liegen die riesigen Flugzeugträger der Navy geschützt vor Anker, die man sonst nur aus der Kriegsberichterstattung kennt. Für ein kurzes Stück muss ich auf den Hwy 3 einbiegen. Der vorhandene Seitenstreifen ist voller Glas und Split, von der rechten Fahrbahn werde ich aber weggehupt.
Ich bin froh, in Gorst auf die West Belfair Valley Road abzweigen zu können. Die alte Hauptstraße führt idyllisch und kurvenreich durch den Wald - parallel zur No 3. In Belfair treffen sich beide wieder. Ich schlendere über einen "Bauernmarkt" auf dem örtlichen Schulhof - vor allem privat gekochte Marmeladen und Holzbasteleien werden angeboten.

Kurz nach der Ortsausfahrt zweigt die No 106 von der No 3 ab und führt als Uferstraße mit wunderschönen Ferienvillen am Hood Canal entlang. Nach 10 Meilen erreiche ich den Twanooh State Park mit Camp Ground und Strand. An der Rezeption ist niemand. Man solle sich selbst einen Platz suchen und die Gebühr in einem entsprechend beschrifteten Couvert in einen Geldkasten stecken: 16 $ pro Platz ! Zum Glück kommt nach einer Stunde ein Park Ranger, der mir zugesteht, als Biker nur 8 $ zahlen zu müssen. Mein Zelt ist schnell aufgebaut - dann gehts zum Strand, die weitere Tour planen. Ich bin unschlüssig, ob ich dem Lonely Planet Führer folgen soll, der an den Zwischenstationen nur Motelzimmer für 50 $ pro Nacht anbietet. Leider bin ich allein - zu dritt wäre das sicher günstig. Die Alternative einer eigenen Planung scheitert aber an fehlenden Detailkarten. Schöne Radrouten finde ich nur durch genaue Hinweise im Bike-Führer, es gibt überhaupt keine Beschilderung an den Nebenstraßen. Lonely Planet schlägt aber eine Route durchs Landesinnere über Centralia und Kelso vor, kommt erst in Astoria an die Pazifikküste.

Zum Tagesabschluss führt mich eine kleine Wanderung in den "Urwald" hinter dem Campingplatz. Trotz derzeit großer Trockenheit herrscht im Tal ein feuchtes Klima, in dem riesige Farne und andere Urwaldpflanzen gedeihen. Früher waren noch viele Redwood-Bäume dabei. Diese sind wohl vor 100 Jahren schon gefällt worden: Aus den immer noch nicht vermoderten Baumstümpfen wachsen neue Buschgruppen und kleine Bäume.
Die Nacht im Zelt ist angenehm. Nachts wird es so kalt, dass ich doch noch den Schlafsack auspacken muss. Die neue selbstaufblasbare Luftmatratze hält, was sie verspricht. Ich liege nirgends mehr auf dem harten Untergrund auf. Beim seitlichen Liegen wird aber auf Dauer die Blutzirkulation im Arm abgequetscht...


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