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| An der Kueste von Oregon | 5.8.2003 | ||
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Liebe Reisefreunde,
nun habe ich schon die Hälfte der beeindruckenden Küste von Oregon hinter mir gelassen. Mein Standort ist North Bend, eine kleine Stadt mit beeindruckender Bibliothek, in der man wieder - kostenlos - ins Internet darf...
Meine Unterwegsstationen in der letzten Woche waren: Elma - Centralia - Kelso - Longview - Westport - Astoria - Seaside - Manzanita - Tillamook -Netarts - Lincoln - Newport - Waldport - Yachats - Florence - Reedsport - Northbend.
In keiner dieser Städte habe ich - wie gesagt - übernachtet, außer in
Seaside in der JH. Sie ermöglichte die erste Wäsche und versorgte mich mit
warmem Essen, das ich in der Hostel-Küche selbst kochen konnte. Die Probleme mit
dem Gaskocher konnte ich erst gestern endgültig lösen, indem ich einen
amerikanischen Kocherasufsatz gekauft habe, der auf die Coleman-Kartuschen
passt. Die in Astoria besorgten Camping-Gas-Kartusche blieb immer undicht, sei es,
dass die Norm geändert wurde, sei es , dass mein Aufsatz zu alt und
verrostet ist. Nun gibt es abends wieder regelmässig warmes Abendessen und morgens
einen heißen Tee zum Frühstück.
Jeden Abend baue ich also mein Zelt auf, richte mich wohnlich ein und nutze
dann meist die verbleibende Zeit zum Beobachten des Sonnenuntergangs im
Pazifik (Westen !). Meist vrschwindet die Sonne jedoch oberhalb dees Horizonts in
der obligatorischen Dunstschicht über dem Pazifik. Dennoch bleibt ein
wunderbares Farbenspiel. Dieses war im "Cape Lookout State Park" besonders
beeindruckend. Dort liegt der Hiker und Biker Platz direkt am Strand.
Vom Wetter wurde ich bisher verwöhnt. In Washington war es fast zu heiß, ein "Jahrhundertsommer" wie die Leute sagten. An der Oregon Coast weht immer der frische Seewind. Nachts wird es daher oft kühl, manchmal ist es morgens dann bewölkt oder neblig. Bis auf die letzte Nacht blieb es jedoch immer trocken. Heute morgen um 4:00 Uhr weckte mich ein drohendes Gewitter. Es ist zum Glück am Campingplatz weitgehend vorbeigezogen. Dennoch war heute morgen das Zelt nass und alles andere klamm. Das muss beim nächsten Stopp wieder trocknen.
Die Straße 101, der ich seit Astoria an der Küste folge ist sehr unterschiedlich stark belastet. Sie führt als "Scenic highway" zu vielen Aussichtspunkten an der Küste, wird aber zur Zeit von vielen RVs und anderen Urlaubern befahren. Die Zahl der Trucks hält sich in Grenzen. Eigentlich sollte ich über die ganze Strecke auf dem durchgehend asphaltierten Seitenstreifen fahren. Der ist aber dermaßen mit Glasscherben übersäht, dass ich doch immer in der Nähe der weissen Linie fahre. Das zwingt die Autofahrer dann doch zum Ausweichen, zum Teil über die doppelt durchgezogene Linie. Die meisten tun das bereitwillig, nur einige "Erzieher" fahren hupend extra knapp an mir vorbei und scheren vor mir auf den Seitenstreifen ein. Auch die wenigen Trucks überholen meist sehr knapp. Ich erkenne sie inzwischen wieder am Motorengeräusch, das sehr viel leiser (!) ist, als das der meisten Pickups.
Die Küste Oregons ist sehr beeindruckend: Steilküste mit senkrechten
Felswänden wechselt mit sanften Dünenlandschaften. Von den Aussichtsterrassen hat
man jedesmal einen schwindelerregenden Blick in die Tiefe, wo die Wellen des
Pazifik gegen die Felswände branden. Bei Ebbe bleibt jedoch meist ein
begehbarer Strandbereich vor den Felsen frei. Ein Nature Trail führt dort an er
gesamten Küste Oregons entlang. Die Dünen sind im Augenblick richtige
Berglandschaften. Gestern sass ich auf einer über 100m hohen Düne und konnte die
Wüstenlandschaft bis zum Pazifik bewundern. Hinter den Dünen liegen oft
Süßwasserseen, die sich durch Rückstau der Flüsse oder als Grundwasserseen
gebildet haben. Dort ist dann jedesmal ein Picknickpark oder ein State Park
mit Campingplatz angelegt.
Die Fahrtanstrengungen sind entsprechend abwechslungsreich. Auf die Klippen hoch gibt es regelmäßig einen steilen Anstieg, der mich - wegen des hohen Gepäckgewichts - zum Schieben zwingt. Bisweilen werden im Radführer auch Nebenstrassen, meist die historische 101 empfohlen. Die sind dann zwar autofrei, dafür aber noch windungsreicher und steiler. Dann gibt es wieder Abschnitte, wo mich der Rückenwind über die schnurgerade Hauptstrasse schiebt, sodass ich schnell voran komme. Überhaupt weht der vorherrschende Wind aus Nordwest, d.h. schiebt meist an oder weht von der Seite. In jedem Fall bläst der Wind die Autoabgase weg, sodass ich nur den frischen Seewind atme. Ein besonderes Abenteuer sind die "Historical Bridges", die erst 1934 über die großen Buchten gebauten Hochbrücken. Sie sind meist über 2 km lang und besitzen eine Rampe auf beiden Seiten, um die nötige Durchfahrthöhe für Seeschiffe zu erreichen. Natürlich hat 1934 noch niemand an den "Bike Trail" gedacht, sodass kein Seitenstreifen vorhanden ist. Wenn ich dann mühsam im ersten Gang hochtrete, muss so mancher Truck dann hinter mir her zuckeln oder auf eine Lücke im Gegenverkehr achten, um an mir vorbei zu kommen. Vorteil dabei ist, dass der überholende Verkehr sehr langsam an mir vorbei fährt. Fünf solcher Brücken gibt es, nur eine wurde bisher durch eine neue vierspurige ersetzt. Mein Ziel heute ist Bandon. Dort hoffe ich, ein "Hostel" zu finden, das mir ermöglicht, mal wieder in einem richtigen Bett zu schlafen und meine Wäsche zu waschen. Viele Grüße aus Oregon Joachim
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