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Die einzige katholische Messe um 8:00 Uhr verhindert einen geruhsamen Sonntag. Als ich aufbreche ist die Wirtin gerade erst dabei, da Frühstück vorzubereiten - danach geht sie selbst in die Kirche.
In einem abgesperrten Bereich finde ich eine kleine Kirche nebst Pfarrhaus und Gemeindesaal. Sie ist fast vollständig gefüllt - ein sehr gemischtes Publikum. Die Weißen sind in der Minderzahl. Der Pfarrer und der einzige Messdiener sind allerdings Weiße. Anders ist es bei den Lektoren und Kommunionhelfern. Der junge Priester ist erst 6 Jahre im Amt. Er überrascht bei der Predigt damit, dass er sich unters Publikum mischt und mit einfachen Worten die Berufung der ersten Jünger kommentiert: Andreas holt seinen Bruder Simon (Petrus). Das sei die wahre Aufgabe des gläubigen Christen, andere zu Christus zu führen. Als Beispiel berichtet er von den strahlenden Augen seines Neffen, der ihm - dem Onkel - den Inhalt seiner Spielzeugkiste erklärt. Zu jedem Objekt gibt es eine Geschichte. Bsonderheiten zum Abschluss: Alle Geburtstagskinder der letzten Woche erhalten vor der Gemeinde einen persönlichen Segen, die Krankenkommunion-Austeiler erhalten die offizielle Entsendung. Am Ausgang verabschiedet sich der Pfarrer von allen Gottesdienstbesuchern mit Handschlag.
Von der Kirche gehts wieder 3 km zurück zum Frühstück in der Pension: Müsli, Croissant, Joghurt, Schinken, Käse - ich bin froh, eigenes Brot und eigene Teebeutel zu haben.
Bis gegen 11:00 Uhr erreiche ich das größte Weingut in Paarl, das "KWV Laborie". Zum anfestzten Termin der Führung bin ich allein, so dass der ältere Herr etwas missmutig startet. Nach dem dritten Satz stellt sich heraus, dass er auch Deutscher ist. So wird die Führung zu einer angeregten Untehaltung über die Unterschiede deutscher und südafrikanischer Weinherstellung. Die KWV stellt gigantische Mengen Wein her aus meist aufgekauften Trauben. Die Gärung wird mit flüssigem Stickstoff gekühlt, weil die Stahlfässer zu groß für eine Wasserkühlung sind. Zur KWV gehört die weltgrößte Brandy Destillerie in Worcester. Deshalb endet die Weinprobe mit einem weichen aber dennoch fruchtigen Brandy. Weil dieser dem französischen Cognac ernsthaft Konkurrenz macht, hat die EU die diesbezüglichen Einfuhrzölle gewaltig angehoben.
Noch einmal kühle ich mich im nebenan liegenden Einkaufszentrum "Paarl Mall". Inzwischen heizt die Sonne die Luft auf gefühlte 40 Grad. Über die Hälfte der Läden verkauft ausschließlich Waren aus China - jreweils nach Segmenten geteilt. Auch ein rein chinesisches Spielzeuggeschäft gibt es. Der Heimweg (ca 7 km) wird mühselig in der Hitze.
In der Mittagspause stößt ein junges Paar zu uns ins zweite Zimmer der Pension. Die junge Frau muss morgen zur Untersuchung ins Krankenhaus. Das Zimmer kostet 500 Rand. Beim Telefonat nach Deutschland geht jetzt schon mein Gebührenguthaben aus. Ich muss in Zukunft um Rückruf bitten.
Kurz vor 16:00 Uhr entschließe ich mich, doch noch in die Nachbarstadt Wellington zu fahren. Es ist zwar noch heiß - aber die Bewegung tut gut. Die R 301, die werktägliche Umgehung für schwere LKW, ist zwar fast autofrei, führt aber an mehreren Township-Siedlungen vorbei. Auch hier brennt unkontrolliert die Wiese ab. Zum Teil gibt es staatlich geförderte Minihäuser für 25 000 Euro.
Welington hat nur wenig zu bieten. Am interessantesten ist der Bahnhof, weil hier die S-Bahn aus Cape Town endet, aber die Fernzüge weiter bis Johannesburg fahren. Ein schwerer Güterzug mit zwei Eloks wartet auf die Einfädelung zwischen zwei S-Bahnen.
Als Rückweg wähle ich die R 45 am gegenüber liegenden Hang des Berg River. Hier fühle ich mich wie auf der Weinstraße zu Hause. Über die Hänge hinweg öffnen sich grandiose Blicke auf die KleinDrakensBerge. Nach 30 km Rundtour bin ich - ohne gefühlte Bedrohungen - zurück in der Pension. Zum Abendessen gibts nochmal Hähnchen mit Brot...
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