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73. Tag: Picton - Blenheim (Bus)
Mi, 23.03.2016


Obwohl Regen vorausgesagt ist, buche ich am Vorabend die Bus-Tickets von Picton nach Blenheim (zweimal $ 16). Am Morgen scheint die Sonne. Bis zur Busabfahrt um 09:00 Uhr am Ferry Terminal schieben aber Regenwolken in die Bucht. Der Bus flieht aus diesem Bereich nach Süden - 27 Kilometer über die N1.

Blenheim ist der zentrale Ort für das Marlborough-Weingebiet, obwohl die Weingüter sich um den Nachbarort Renwick gruppieren. Wir fahren nach der Durchquerung der dicht begrünten Küstenberge in eine weite, sehr trockene Ebene. An ihrem Rand erheben sich graubraune Hügel mit verdorrtem Gras. Im I-Center erfahre ich, dass es im Sommer kaum geregnet hat und dass die Weingüter zu Fuß nicht erreichbar sind – schade.

Ich starte auf dem River Trail nach Westen in Richtung der gelben Hügel. Das Bächlein ist renaturiert und fließt durch einen großzügigen Park, der beidseits durch zwei Meter hohe Hochwasser-Schutzdämme begrenzt wird. Offenbar gibt es Jahreszeiten, in denen sich die Wassermenge vervielfacht – heute ist der Fluss fast ausgetrocknet. Begleitet wird der Park von einer Riverside Railway, einer Park-Eisenbahn über 10 km bis zum Brayshaw Park. Dort wurde im Jahr 2000 eine großzügige Anlage für Freiluft-Gartenbahnen erbaut um zur World Convention einzuladen. Heute liegt auch hier fast alles brach.

Im Brayshaw Park sind etliche historische Häuser der Gründerzeit wieder aufgebaut oder nachgebaut. Dazwischen gibt es viele Museen – mich reizt das „Farm Machinery Museum“. Der Eingang ist zwar verschlossen – im hinteren Gelände fährt aber ein älterer Herr mit dem historischen Gabelstapler Ausstellungsobjekte von einer Halle in eine andere. Er schließt mir die Tür zur Traktorsammlung auf – eine Sammlung von historischen Glanzstücken, wie ich sie bisher nicht gesehen habe. Einige Stücke sind fast 100 Jahre alt. Sie bleiben in Privatbesitz und werden von den jeweiligen Besitzern gepflegt, zum Teil sogar fahrbereit erhalten. Ich finde zwei original Lanz-Maschinen aus Mannheim, einen Raupenschlepper und einen sehr gepflegten Bulldog. Der einzige Schlüter-Traktor der südlichen Hemisphäre steht hier im Museum.

In einer weiteren Halle findet sich ein funktionsfähig wieder aufgebauter, riesiger Dampftraktor von Fowler. Im Museum in Sinsheim steht ein nur für die Ausstellung wieder hergerichteter Dampftraktor. Hölzerne Dreschmaschinen erinnern an Augenblicke in Kusel aus den fünfziger Jahren. <> Um 15:00 Uhr beginnt es zu regnen. Der alte Herr bietet mir an, mich in seinem Auto wieder in die Stadt mitzunehmen – ich nehme dankend an. Er erzählt, dass er als Truck Driver angefangen hat, dann eine eigene Transportfirma aufgebaut hat mit zuletzt 200 (!) Fahrzeugen. Die Manager nach ihm haben sich dann übernommen und die Firma in den Ruin geführt.

In de Stadt schlendere ich durch die Geschäfte – es ist noch vor 17:00 Uhr. Im Warehouse höre ich im Gespräch unter den Verkäufern, dass ein Investor die Kette übernimmt und als erstes allen 17.000 Mitarbeitern kündigt.

Den Abend verbringe ich im kleinen Stadtkino. In der Lounge (ca. 30 Plätze) werden Filme gezeigt, die in diesem Jahr mit dem Oscar prämiert wurden – um 17:30 Uhr „Spotlight“. Der Film zeichnet die Recherchen der „Boston Globe“ Zeitung nach, die zum Auslöser für die Veröffentlichung der Kindesmissbrauchsfälle in der katholischen Kirche führte. Sehr kurze, aber gekonnt ineinander geschachtelte Szenen lassen den Film nie langweilig werden, obwohl fast nur Interviews und Gespräche gezeigt werden. Die Musik von Howard Shore untermalt das Geschehen dramatisch oder auch nur mit Soloklavier – je nach Situation. Zwei Oscars gab‘s für das Drehbuch und die Kameraführung.

Der Bus zurück fährt erst um 20:50 Uhr an der Railway Station ab. Dort halten auch die zwei täglichen Personenzüge. Mit 25 Minuten Verspätung – der Bus kommt schon aus Christchurch – komme ich sicher wieder nach Picton.


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