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68. Tag: Wellington - Victoria Lookout (zu Fuß)
Fr, 18.03.2016


Um 10:30 Uhr wird vom Hostel eine geführte Wanderung zum Mount Victoria Lookout angeboten. Ich bin aber der einzige, der sich meldet. Daher wandere ich allein. Es geht direkt steil bergauf, auf unübersichtlich beschilderten Pfaden. Verlaufen kann man sich aber nicht.

Der höchste Punkt liegt fast 200 m über der Stadt. Die ganze Bucht habe ich im Blick, sowie den regen Flugverkehr auf dem kleinen Flughafen von Wellington. Er hat jeweils nur eine Lande- und Startbahn. Just jetzt beginnt die Sonne von Süden her die Wolkendecke zu verdrängen. Es öffnet sich ein wirklich schönes Stadtpanorama. Für den Rückweg wähle ich den besser ausgeschilderten Weg zum „Oriental Bay“, den kleinen Badestrand von Wellington. Er wird offenbar täglich gereinigt. Es gibt trotz des Wetters immer noch Badefreunde. Die Sonne brennt jetzt aber richtig vom Himmel.

Kurz vor der Rückkehr ins Hostel schaue ich noch beim „New World“ Supermarkt vorbei. Es gibt Rumpsteak für $12 pro Kilo – ich leiste mit zwei große Steaks für $9. Die landen sofort in der Pfanne, dazu Kartoffeln (zum ersten Mal auf der Reise) und Broccoli.

En kurzer Ausflug zu den Attraktionen der Uferpromenade führt zum Hafensprungturm, wo junge Einheimische aus 5 Meter Höhe in ein ehemaliges Hafenbecken springen. Ein skurriler Vergnügungspark, den eine spanische Truppe aus Altmaterialen zusammengebaut hat, liefert Spaß für die Kinder, während die Eltern den Antrieb von Karussell und Riesenrad übernehmen. Im „Wellington Museum“ habe ich nur noch 10 Minuten bis zum Schließen – da muss ich morgen nochmals vorbei kommen.

Die Hauptattraktion folgt um 19:30 Uhr im „St James Theatre“. Die Dance Company von Pina Bausch (gest. 2009) aus Wuppertal ist wieder mal auf Welttournee und zeigt drei Tage lang jeweils „Café Müller“ und „Rite of Spring“ in der Originalinszenierung von 1975-78. Schon das historische Theater für sich ist beeindruckend. Oben im Rang hat man eine perfekte Sicht auf die Choreographie. Beides sind typische, hoch gelobte Arbeiten von Tina Bausch. „Café Müller“ zeigt zwei schlafwandelnde Frauen zur Musik von Henry Purcell. Bewegungen in Zeitlupe – wie im Traum – wechseln mit aggressiven Szenen, sobald die zwei Männer auftreten. Die Tanzbewegungen zeigen nur noch Ausdruck und Emotion – Modern Dance eben.

Das Frühlingsopfer (“Sacre du Printemps“) zur bekannten Musik von Igor Strawinsky ist eine fantastische Gruppenszene, aus der sich das „Opfer“ nur widerwillig herausschält und zuletzt tanzt bis zum Umfallen – ein Kultstück des Tanztheaters eben. Auch hier versagt das Publikum. Nach nur zwei Vorhängen ist Aufbruch und Licht im Zuschauerraum.


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