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Liebe Leser,
aus einigem Abstand soll der Reisebericht nun noch zu Ende geführt werden:
Am Di, dem letzten Tag in Marokko, fahre ich mit der Bahn nach Casablanca, dem ursprünglichen Ziel meiner Reise.
Der Schalterbeamte braucht ganze 30 sec zum Ausstellen der Tagesrückfahrkarte. So erreiche ich
den in 3 Minuten(um 8:00 Uhr) fahrenden Intertcity nach Casablanca. Die Züge fahren auf dieser Strecke im
Stundentakt (während der Rush-Hour sogar halbstündig) und sind durchweg gut besetzt.
Vom Hafenbahnhof in Casablanca eile ich zuerst an der Medina vorbei zur großen Moschee.
Diese ist 1993 von König Hassan fertigesetellt worden, liegt wunderschön auf einer
(angeschütteten) Terrasse über dem Meer. Es ist die zweitgrößte Moschee im Islam (nur von
Mekka übertroffen).
Die Touristenführung soll 100 Derham (= 20 DM !) kosten. Soviel habe ich nicht mehr, daher
schaue ich mir intensiv nur die beeindruckende Außenanlage an. Der Turm ist mit 200 m das
höchste religiöse Gebäude der Welt...
Auf dem Rückweg schlendere ich durch die Gassen der Altstadt - auch hier reges Basartreiben.
Zur Mitagspause suche ich einen der Parks in der Innenstadt. Sie sind großzügig angelegt und
laden trotz starkem innerstädtischen Verkehr zum Verweilen ein. Großzügige Verwaltungsgebäude
grenzen an die Alleen.
Auf dem Weg in die Außenbezirke komme ich vorbei an reichen Villen meist im Bauhausstil...
In Casablanca finde ich zum erstenmal ein richtiges Warenhaus: Vor allem französische Produkte
werden angeboten, Bücher zu absolouten Dumpingpreisen.
Am Mittwochmorgen startet der Bus nach Frankfurt um 10:00 Uhr. Zunächst muss das Gepäck
entsprechend reduziert werden. Der letzte Weg mit dem Rad führt wieder zum Busbahnhof. Dort
wird das gesamte Gepäck incl. Fahrrad auf die Waage gelegt. Ich zahle nur für 15 kg Übergepäck
umgerechnmet 45 DM, keine Sondergebühr fürs Fahrrad.
Gegen 10:30 Uhr kommt endlich der Bus aus Casablanca, ein moderner, vollkllimatisierter
Volvo-Bus mit drei Fahrern. Das Fahrrad verschwindet fast aufrecht ium Gepäckbauch des Busses.
Die Fahrt führt zuerst über Meknes, Fes nach Nador zur Fähre nach Almeria. Am Fährhafen muss
das gesamte Gepäck ausgeladen werden und persönlich durch die Zollkontrollen getragen werden.
Ich werde wie ein einzelreisender Radfahrer behandelt, an den Wartteschlangen der Mitreisenden
vorbei. Der größte Teil meines Gepäcks bleibt am Fahrrad im Bereich der Autogaragen.
Auf der schwach besetzten Fähre kann ich mich über vier Sitze ausstrecken und ein wenig
schlafen. Morgens um 7:00 Uhr bleibt das Schiff eine Stunde vor der spanischen Küste liegen
und wartet. Ankunft in Almeria ist dann erst um 9:00 Uhr.
Der Drogenhund der Zollpolizei beschnüffelt meine Packtaschen, dann bin ich wieder in Spanien.
Erst um 10:00 Uhr nimmt der Bus alle Fahrgäste wieder auf.
Nun beginnt der anstrengendste Teil der Fahrt: NonStop durch Spanien und Frankreich, rund
3000 km. Zum Glück werden alle vier Stunden kurze Pausen zum Austreten, alle 7 Stunden
Essenspausen eingelegt. So kann ich mir ein wenig die Füße vertreten.
Die Nachtfahrt durch Frankreich ist unangenehm. Die Sitze im Bus sind sämtlich besetzt,
querlegen geht also nicht. Der Abstand zum Vordermann ist gering, die Sitze lassen sich nur
wenig neigen. An Schlaf ist also nicht zu denken.
An den Raststätten lege ich mich ein wenig auf die Wiese oder eine Picknickbank, einmal hätte
ich dabei fast die Weiterfahrt des Busses verpasst...
Gegen 15:00 Uhr am Freitagnachmittag erreicht der Bus endlich den Bahnhof Ludwigshafen.
Das Gepäck ist schnell wieder auf dem Fahrrad verstaut. Die letzten 15 km bis Böhl-Iggelheim
fahre ich wieder mit dem Rad. Es ist sommerlich warm, leichter Rückenwind trägt mich nach
Hause. Ich glaube während der ganzen Reise hatte ich nirgends ein solches Gefühl von
beginnendem Sommer.
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