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Kauf einer Fahrkarte Mo, 21.5.2001
Liebe Leser,

der heutige Tag steht im Zeichen einer Radrundreise zu den Badeorten am Atlantik zwischen Rabat und Casablanca. Zuerst aber muss die Rückfahrkarte nach Ludwigshafen am Busbahnhof gekauft werden.
Kurz vor 8:00 Uhr bin ich draußen. An allen Schaltern herrscht reger Betrieb, nur CTM ist weiter unbesetzt. Um 8:30 Uhr würde jemand kommen, sagt der benachbarte Mitarbeiter von Eurolines.
Also warten. Ich genieße es, den Menschen zuzuschauen, die mit den Bussen ankommen oder wegfahren. Sie sind sehr untrschiedlich in Hautfarbe und Typ. Auch ihre Kleidung reicht von westeuropäisch bis zu Mantel und Schleier. Endlich kommt jemand. Ich frage, ob ich in irgendeiner Form bargeldlos (VISA, Euroscheck, franz. Francs) bezahlen kann. Nein nur Derham. Also zur nächsten Bank 800 Francs gewechselt in 1200 Derham. Zurück zum Schalter. Die Fahrkarte kann er hier gar nicht buchen. Wir müssen in ein entlegenes Büro im Bereich der Gepäckabfertigung. Der CTM-Computer steht - aus welchem Grund auch immer - dort und nicht am Schalter im Busbahnhof.
Es ist Montagmorgen, das System muss erst hochgefahren werden. Nach dem dritten Versuch sind Login und Passwort richtig eingegeben. Es erscheint eine Eingabemaske für Fahrkarten von CTM. Dort wird der Zielort (aus einem Menue) ausgewählt: beim dritten Anlauf trifft die Maus Ludwigshafen. Jetzt müssen meine Personalien incl. Passnummer eingegeben werden. Zuerst will der Rechner aber mein Geburtsdatum. Das zu umgehen, braucht wieder diverse Tricks.
Schließlich ist die Maske ausgefüllt. Jetzt könnte die Fahrkarte gedruckt werden. Dazu muss der Verkäufer offenbar auf das Diskettensymbol für Speichern klicken; dieses ist aber nicht aktiv. Er ruft jemand zu Hilfe. Zuerst hätte neue Eingabe geklickt werden müssen. Merkwürdigerweise bleiben meine Daten dabei erhalten. Nun wird der Datensatz abgeschickt. Aber der Drucker ist noch aus... Schnell wird er eingeschaltet, aber zu spät; er druckt nur schwarze Balken. Mein Datensatz ist jetzt vom Schirm verschwunden.
Nun wird die Fahrkarte (mit 7 Durchschlaegen) von Hand in ein klassisches Formular eingetragen... Meine Daten muss sich der Verkäufer nun wieder aus dem Pass heraussuchen. Ludwigshafen zu schreiben fällt schwer. Alle Durchschläge werden gestempelt. 5 werden entnommen, 2 erhalte ich in ein Couvert geheftet.
Ich bezahle den Preis von 1150 Derham mit 1200 Derham. Er hat aber kein Wechselgeld. Auch der Kunde nach mir, der schnell eine Fahrkarte nach Nimes ausgestellt bekommt, bezahlt die 1000 Derham mit Hundertern. Der Verkäufer sammelt etwas unwirsch die 10 Durchschläge von den 2 verkauften Fahrkarten ein, bringt sie beinahe durcheinander und kehrt mit mir zum Schalter am Busbahnhof zurück. Dort erhalte ich 50 Derham Wechselgeld.
Auf meinen Einwurf, das sei doch jetzt recht kompliziert gewesen, meint er nur, wieso, das ist doch nicht kompliziert.
Nach knapp zwei Stunden am Busbahnhof starte ich zur Rundfahrt zum Atlantik. Dort versucht Marokko nach spanischem Vorbild Appartmenthäuser hochzuziehen. Dummerweise ist aber die gesamte Küstenlinie von Privatvillen zugebaut, sodass es nur schmale Durchlässe zum Meer gibt. Entsprechend schwierig dürfte die Vermarktung der Appartments sein.
Insgesamt waren es nochmal 80 km; das hätte auch nach Casablanca gereicht. Dahin fahre ich nun morgen mit dem Zug.

Grüße von einem erholsamen Strandtag

Joachim Heidinger


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