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26. Tag: Sale (20 km)
So, 10.12.2006
Heute ist Pausentag. Um 8.30 Uhr hält der Bischof von Sale die Sonntagsmesse ohne einen einzigen Gesang. Die Kirche ist kaum größer als die in Iggelheim. Im Information Center von Sale wird die neueste Feuer- und Rauchwarnung rausgegeben: Alle Wege nach Bairnsdale gehören zum gefährdeten Bereich, der wegen zu schlechter Sicht gesperrt werden könnte.
So bleibe ich noch einen Tag in Sale. In der platzeigenen Laundry kann ich für 3 $ meine gesamte Wäsche waschen, auf dem Wäscheständer ist alles in kaum einer Stunde wieder trocken - allerdings ein wenig geräuchert.
Die übermäßigen Vorräte, die ich gestern in der Euphorie der Wochenendreduzierungen gekauft
habe, lassen sich heute in Ruhe dezimieren. In den letzten beiden Tagen gab es eher weniger.
Außerdem sind Kühlschrank und Herd eine zusätzliche Hilfe beim Kochen. Der Mittagschlaf im
Zelt endet mit einer Ganzkörpersauna. Die Temperaturen bewegen sich um die 40° Celsius, die
Sicht ist auf kaum 100 m geschrumpft, die Windbewegungen sind minimal.
Der beste
Aufenthaltsort ist das vollklimatisierte Museum of Art, in dem vor allem Bilder von
Aborigines aufgestellt sind, die die Erzählungen ihrer Großeltern aufarbeiten: Damals
(1930-1940) sind des Aborigines die Kinder abgenommen worden, um sie zwangsweise in den
Missionsschulen zu unterrichten. "Sie kamen, um uns zu lehren statt von uns zu lernen",
ist ein Bild untertitelt. Das wenig geordnete Heimatmuseum im ehemaligen Rathaus besticht
vor allem durch die Erzählfreude des Leiters. Im Armeemuseum der Stadt werden die
verschiedenen Kriege aufgearbeitet, in denen die Australier auf Seiten der Engländer
mitgekämpft haben. Besonders schlecht haben die Japaner ihre Kriegsgefangenen behandelt.
Vom deutschen Lager in Sagan (Polen) wird ausführlich ein Ausbruchsversuch beschrieben.
Ansonsten scheinen die Flieger der Royal Australian Air Force (RAAF) vor allem bei
Übungsflügen über Australien abgestürzt zu sein.
Die letzte funktionsfähige Drehbrücke aus Gusseisen wird immer freitags, samstags und sonntags um 17 Uhr bewegt. Das kann ich mir nicht entgehen lassen. Am Ufer des Kanals warte ich die Aktion der Museumsmitarbeiter, setze mich ins Gras neben einen alten Baumstamm. Ein leises Rascheln neben mir erweckt meine Aufmerksamkeit. Gerade noch rechtzeitig stehe ich auf, als ein schwarze Schlange aus ihrem Versteck hervor kriecht. Erschrocken zieht sie sich schnell wieder zurück.
Zuletzt umrunde ich den stadteigenen Süßwassersee auf dem Wetland Trail. Ein auffrischender Wind hat den Smog inzwischen etwas gelichtet.
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